Die Schneckenvorstadt


Die Schneckenvorstadt liegt im Süden der Altstadt. Sie war diejenige Vorstadt mit der höchsten Konzentration von Badestuben und die einzige der mittelalterlichen Vorstädte Freiburgs, die dem barocken Festungsbau der französischen Herrschaft zwischen 1677 und 1687 nicht gänzlich zum Opfer gefallen ist. Durch sie fließt der Gewerbebach, der das zum Badebetrieb notwendige Wasser in die Stadt führte. Sie wurde bereits nach 1260 mit einer Stadtmauer umgeben und erhielt 1303 die gleichen Stadtrechte wie die Altstadt. Schon früh heißt es "in der vorstatt bey dem schnegken". Dieser Name bezieht sich auf ein neben dem Schneckentor (vor 1379: "tor bi der langun brugge") gelegenes Wirtshaus (heute etwa Ecke Kaiser-Joseph-Straße/Adelhauserstraße), das "Zum Schnecken" hieß. Das Schneckentor stand in der Mitte der heutigen Kreuzung Kaiser-Joseph-Straße/Wallstraße und wurde später "Katzenturm" genannt, nachdem das Wirtshaus "Zum Schnecken" auf den Münsterplatz verlagert worden war. Es wurde 1842, im Zusammenhang mit der Erweiterung Freiburgs nach Süden ("Stephanien-Vorstadt"), abgebrochen.

Die Vorstadt selbst bestand wiederum aus mehreren Teilen: Aus der "Au", dem östlichen Teil, der sich in Fischerau und Gerberau aufteilte und auch den Oberrieder Winkel (heute das Gebiet um die Adelhauserkirche) einschloß und aus der eigentlichen Schneckenvorstadt als südwestlichem Teil (heute der Bereich vom Martinstor bis zum Kollegiengebäude IV der Universität) mit dem "Paradies" genannten Teil. Die Stadtmauer der Schneckenvorstadt zog sich, ausgehend vom Schwabentor, zunächst in südlicher Richtung und wurde dort zunächst vom "Klötztlinstor", das später "Gerbertor" genannt wurde, unterbrochen. Weiter in südlicher Richtung folgte der "Oberriederturm", der seinen Namen vom benachbarten Kloster hatte und später auch "Wasserturm" (weil er einen Brunnen beherbergte) oder "Pulverturm" (weil er während des Dreißigjährigen Krieges als Munitionsdepot genutzt wurde) genannt wurde. An diesem Turm knickte die Stadtmauer nach Westen um und zog in gerader Linie bis zum bereits erwähnten "Schneckentor". Von dort verlief die Stadtmauer weiter in westlicher Richtung bis zum sogenannten "Schlettstatter Turm", der nicht nach dem gleichnamigen Ort im Elsaß, sondern nach einem Freiburger Patriziergeschlecht benannt war, in deren Garten der Turm stand (heute: Kollegiengebäude IV der Universität). Hier bog die Stadtmauer nach Norden ab, um nach kurzer Strecke auf das "Grienlinstor" zu treffen, das die Verbindung zur Lehenervorstadt im Westen der Stadt herstellte. Dieses müßte heute an der Stelle des Ostflügels des Kollegiengebäudes I bzw. des modernen Kollegiengebäudes III zu suchen sein.

Das Viertel entwickelte sich schon vor dem Bau der Stadtmauer zu einem Gewerbeviertel: Gerber, Ballierer, Fischer, Müller und andere Handwerke, die Wasser für ihre Arbeit benötigten, waren vorwiegend an dem das Viertel auch heute noch durchziehenden "Mühlenbach", dem heutigen "Gewerbekanal", angesiedelt. So auch die meisten Badestuben. Straßennamen wie "Gerberau" oder "Fischerau" weisen auch heute noch auf diese historischen Wurzeln des Viertels hin. Das soll aber nicht heißen, daß sich nicht auch Schuhmacher, Bäcker, Metzger und andere Handwerke ansiedelten. Neben den Handwerkern wurde die Vorstadt vor allem durch Klöster und Klösterhöfe geprägt: So hatte das Kloster Tennenbach einen Klosterhof und die Oberrieder Wilhelmiten ihr Kloster (1262-1682) in der Schneckenvorstadt (heute der Bereich des Adelhauser-Klosters in der Adelhauserstraße und des Altenheims St. Anna-Stift).

Durch das "Klötzlins-" oder "Gerbertor" südlich des Schwabentors stand das Quartier in Verbindung mit einer Ansammlung von ungefähr 20 Häusern vor der Stadtmauer. Dieser Bereich wurde die "obere Au " genannt. Er ist nicht zu verwechseln mit der heutigen Straße "Oberau", denn diese Häuser standen im Bereich des Schwabentorplatzes.

Zusammen mit den anderen Vorstädten bildete die Schneckenvorstadt in Kriegszeiten auch einen unfreiwilligen Schutzgürtel um die Altstadt: Bei allen Belagerungen waren die Vorstädte Plünderung, Vertreibung und Verwüstung besonders hilflos ausgesetzt. Die Schneckenvorstadt hatte besonders durch die Belagerungen während des Dreißigjährigen Krieges unendlich viel zu leiden. Die französische Belagerung von 1744 im Verlauf des österreichischen Erbfolgekrieges setzte der Vorstadt schwer zu. Bis 1745, als die französische Armee wieder abrückte, waren die gesamten Anlagen der nach 1677 von ihnen selbst erbauten "Vaubansche Festung" endgültig und gründlich zerstört.

In der Schneckenvorstadt lagen die "Klingelhut-Badestube", welche später in "Schwabsbad" umbenannt wurde, die "Hindere Badestube", das "Spitalbad", das "Cylgen-Bad", das "Paradiesbad" und das Bad "Zur Büttenen".