Das Paradiesbad


Das Paradiesbad befand sich in der ehemaligen Schlachthausstraße Nr. 12, heute der Bereich zwischen Metzgerau und dem Kollegiengebäude IV der Universität in der Rempartstraße. Der ganze Bereich wurde auch "Paradies" genannt, was dem Bad und einer gleichnamigen Mühle ihren Namen gab, die bis 1897 bestand, als das Gebiet von der Universität mit der Alten Universitätsbibliothek (heute KG IV) überbaut wurde. Im Bewußtsein der älteren Freiburger dürfte es das einzige Bad sein, von dem sich zumindest die folgende kleine Begebenheit erhalten hat: Fragte man früher am Münster nach einem Pfarrer, so soll man regelmäßig zur Antwort bekommen haben, er sei nicht anwesend, sondern weile bereits "im Paradies".

Ähnlich dem Spitalbad sind auch die Anfänge dieser Einrichtung äußerst unklar. Ob sie jedoch mit dem Heiliggeistspital zusammenzuhängen, wie bereits im letzen Abschnitt angedeutet, muß offen bleiben. Hier soll noch einmal auf eine mögliche Entstehungsgeschichte dieses Bades eingegangen werden.

In der ersten Urkunde über das Spitalbad von 1309 wird ein Haus in der Au an Heinrich Schalun, Metzger und Bürger von Freiburg, für 40 Pfund Pfennige verkauft. Interessant ist an dieser Urkunde vor allem der Zusatz: "Der Käufer gelobt von dem erworbenen Hause aus der Badestube des Spitals keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten." Dieser Zusatz ist äußerst ungewöhnlich und deutet darauf hin, daß Heinrich Schalun offensichtlich die feste Absicht hatte, in dem erworbenen Haus eine Badestube einzurichten. Da sich bis zum Ende des 14. Jahrhunderts keine Urkunden finden ließen, in denen eindeutig vom Paradiesbad die Rede ist, und auch die Herrschaftsrechtbücher nicht von einer Badestube sprechen, kann nicht bestimmt werden, ob Heinrich Schalun die Badestube tatsächlich eingerichtet hat. Die Schaluns waren im 14. Jahrhundert eine angesehene und reiche Metzgerfamilie und verfügten über einigen Besitz. Heinrich Schalun tritt zwischen 1308 und 1316 mehrfach als Zeuge auf. Erst bei seinem Sohn oder Enkel Hanman Schalun läßt sich zum Ende des 14. Jahrhunderts eine gewisse zielgerichtete Erwerbspolitik in der Gegend um das Martinstor feststellen, die im Erwerb der Paradiesmühle und deren Verkauf an das Heiliggeistspital (1375) gipfelte. 1396 stiften Hanman und Elisabeth Schalun eine Weingülte für die "Siechen im Spital". Auf diese Stiftung bezieht sich wohl eine Urkunde von 1401, mit der die Schaluns die zuvor gemachten Vergaben abändern und detailliertere Anweisungen über die Begünstigten und die Verfügungsgewalt ihres Vermögens nach ihrem Tod geben. Zu dieser Zeit gehören ihnen mindestens fünf Häuser, von denen in dieser Urkunde eines "Badestube in der Owe" genannt wird. Dabei wird es sich aller Wahrscheinlichkeit nicht um das Paradiesbad, sondern um das Spitalbad handeln. Ein Hinweis darauf, daß es das Paradiesbad zu dieser Zeit noch nicht gibt, ist die Tatsache, daß in der Urkunde von der Badestube in der "Owe" und nicht im "Paradies" gesprochen wird, obwohl es zu dieser Zeit doch bereits üblich war, als nähere Ortsbezeichnung den Namen "im Paradies" zu verwenden. Mit "Au" wurde zu jener Zeit jedenfalls nicht der Bereich des "Paradieses", sondern der Bereich von Gerberau und Fischerau bezeichnet. Verstärkt wird diese Version auch dadurch, daß das Zinsbuch des Heiliggeistspitals noch 1456/57 davon spricht, das Spitalbad(!) "ist an spital kome ano 1401 jar vo Hanman Schalun und Elsbethen seiner frowe". Somit steht zu vermuten, daß die Schaluns nicht das Paradiesbad errichteten, sondern die später als Spitalbad bezeichnete Badestube an der Ecke von Fischerau und Kaiser-Joseph-Straße. Leider fehlen für das 15. Jahrhundert jegliche Nachrichten über das Paradiesbad, so daß auch von dieser Seite her keine Erkenntnisse gewonnen werden konnten.

Eine erste halbwegs gesicherte Nachricht über das Paradiesbad findet sich im Zinsbuch des Klosters St. Katharina von 1520. Hans Mang, ein Messerschmied, hatte dem Kloster einige Zinsen zu zahlen: Einmal von einem Haus in der Schneckenvorstadt beim Spitalbad und dann "von seinem boumgartte lit in Schneke Vorstatt im Baradies mit Hus Hoff und Schüre stost ein sit an Hans Reinhart den Bader ander sit an des rats almend ist fry ledig eygen nach dritthalben guldin gelts anno 1531". Die Lagebeschreibung und die Erwähnung des Baders Hans Reinhart läßt den vorsichtigen Schluß zu, daß es sich bei dem erwähnten Nachbarhaus um das Paradiesbad handeln könnte. Die erste wirklich gesicherte Nachricht über das Paradiesbad stammt dann vom 28. Februar 1533. Dieser Urkunde zufolge verkauft der Gerber Lorenz Baetzer an Dietrich von Haslach "ein haus hoff und scheuren und garten alles an einandern in der schneckenvorstat bey dem Baradis bad gelegen, sties einerseid an das zilgen bad, anderseid an der stat Rinckmur und vornen an den Bach." Bereits sechs Jahre später verkauft das Heiliggeistspital "ein haus uns geses sampt dem Gertlin ist ein Badstub genannt zum Baradis liegt zu schnecken vorstatt" an Hans Mang. Ob dieser Hans Mang mit dem bereits 1520 erwähnten Messerschmidt identisch ist, ist zwar wahrscheinlich, jedoch nicht gesichert, da die Berufsbezeichnung fehlt. Bis zu diesem Verkauf war offensichtlich das Heiliggeistspital im Besitz der Badestube. Hans Mang verkaufte das Bad jedoch bereits im Dezember des gleichen Jahres an Bartlin Buttal. Ab 1559 besitzt das Bad einen eigenen Brunnen, der aus einer Wasserleitung gespeist wird.

Um diese Zeit lebt auch der Bader Konrad Zucker im Paradiesbad. Dieser ist einer der vom Rat der Stadt beauftragten Bader für das Pestilenzhaus. 1562 kauft er auch das benachbarte Cylgen-Bad, verkauft das Paradiesbad jedoch bereits 1565 an Rudolf Dietlicher für 59 Gulden.

Rudolf Dietlicher kann das Bad nicht halten, denn 1569 fordert der Rat der Stadt, wie im Zusammenhang mit der Pest bereits erwähnt, das Paradiesbad zu erhalten, weil ansonsten fast alle Badestuben eingegangen wären. Ob dieses Ansinnen Erfolg hatte, läßt sich heute nicht mehr feststellen: das Haus wird zwar noch in den Fertigungsprotokollen erwähnt, nach 1627 jedoch in den Urkunden nur noch als "Haus zum Paradies" bezeichnet, was darauf schließen läßt, daß es zu dieser Zeit kein Bad mehr ist. Auch die Herrschaftsrechtsbücher erwähnen keine Bader mehr: Statt dessen wird das Haus spätestens im Verlaufe des 17. Jahrhundert zum Wohnhaus des Paradiesmüllers, was es wahrscheinlich bis zum Abriß der Mühle 1897 bleibt.