Ein vollständiges Opfer des französischen Festungsbaus nach 1677 wurde die Lehener- und Predigervorstadt. Sie war die dritte und jüngste Vorstadt Freiburgs und hatte sich im Westen vor dem Prediger- und Lehenertor gebildet. Das Predigertor befand sich vom 13. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts an der südlichen Ecke des heutigen Fahnenbergplatzes. Das Kloster des Dominikanerordens - das Predigerkloster -, das dem Stadttor und der Vorstadt ihre Namen gab, stand im Bereich der heutigen Straße Unterlinden/Merianstraße und reichte im Norden bis zum Friedrichring. Die Dominikaner erhielten bereits 1235 vom Bischof von Konstanz die Erlaubnis, sich in Freiburg niederzulassen und wurden ein Jahr später von der Freiburger Bürgerschaft ausdrücklich dazu eingeladen. Das Kloster wurde 1793/94 aufgehoben. Sein Besitz ging an die Universität über.
Bei der Prediger- und Lehenervorstadt handelte es sich jedoch nicht um zwei voneinander getrennte Vorstädte, sondern um einen zusammenhängenden Bereich, von dem jener Teil vor dem Predigertor als Prediger- und der Teil vor dem Lehenertor als Lehenervorstadt bezeichnet wurde. Das Lehenertor stand in der Bertholdstraße auf der Höhe des Rotteckrings. Neben relativ lockerer und verstreut liegender Gewerbe- und Wohnbebauung hatten sich hier vor allem drei größere Frauenklöster niedergelassen: Einmal das Reuerinnenkloster St. Maria Magdalena - heute der Bereich zwischen Katharinen-, Rhein und Merianstraße bis zum Friedrichring (vor 1247). Das Klarissenkloster St. Klara stand bis 1644 in der heutigen Eisenbahnstraße im Bereich der Hauptpost und war um 1272 von Franziskanerinnen von St. Klara bezogen worden. Zuvor hatten an dieser Stelle Karmelitermönche gelebt. Im südlichen Teil der Lehenervorstadt befand sich bis 1644 das Dominikanerinnenkloster St. Agnes, das heute im Bereich Sedanstraße/Moltkestraße zu suchen wäre und 1264 gegründet worden war.
Das Bild der Vorstadt wurde jedoch vor allem durch landwirtschaftlich genutzte Flächen wie Gärten und Rebland geprägt. Werden bereits 1288 die äußeren Stadttore, das Büggenreuter- und Peterstor, im Zusammenhang mit der stadtrechtlichen Gleichstellung der Vorstadt mit der Altstadt erwähnt, so dauert es bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, bis die Vorstadt zumindest von einem Wassergraben umgeben ist. Vielleicht waren es Geldnöte oder aber es wurde keine strategische Notwendigkeit zu einer weiteren Befestigung gesehen, jedenfalls vergingen nochmals siebzig Jahre, bis tatsächlich damit begonnen wurde, eine Stadtmauer zu bauen. Erst 1583 war diese vollendet: "Anno 1583 hat man alhie zu Freyburg die Stattmauren neuw uffgebawen, denn zuvor keine gewest, allain der Graben", wie es die Nonnen von St. Agnes in ihrer Chronik vermerkten. Möglicherweise hat dieses Ereignis auch den Anstoß gegeben, die nun gänzlich ummauerte Stadt von einem Kupferstecher mit Namen Gregorius Sickinger (1558-1631) aus Solothurn repräsentativ abbilden zu lassen, dessen Stadtansicht sechs Jahre später vorlag.
In diesem Teil der Stadt lagen die "Rote Männer- und Frauenbadestube", "Ederlins-Badstuben", das "Neue Bad" und das "Reuerinnenbad".