Die Hindere Badestube


Eine bislang überhaupt nicht bekannte Badestube konnte über das Erzbischöfliche Archiv Freiburg ausfindig gemacht werden - die "Hindere" Badestube. Ob sie jedoch jemals eine öffentliche Badestube war, ist äußerst fraglich.
Am 30. August 1314 stiftet der Rektor der Knabenschule in Freiburg, Heinrich von Merdingen, mit Zustimmung Gebhards von Freiburg, des Schatzmeisters und des Patronatsherren Graf Egino von Freiburg auf den Altar der Gottesmutter und der Apostel Petrus und Paulus im Münster eine Priester-Pfründe. Das Einkommen stammt von einer Badestube bei des "Fuhses hus" in der Au. Der erwähnte Gebhard von Freiburg war der Bruder des Grafen Konrad, der die Stadtherrschaft über Freiburg 1316 übernahm. Beide waren Söhne des Grafen Egino II. von Freiburg und Katharina von Liechtenberg. Er ist bereits zum 28. Januar 1310 als Generalvikar des Konstanzer Bischofs Gerhard IV. bezeugt und seit 1313 auch als Dompropst zu Straßburg. Er starb am 31. Mai 1337.

Die Identität des hier genannten Heinrich von Merdingen ist indes unklar. In der Urkunde wird von einem Hof des verstorbenen Heinrich von Merdingen gesprochen, der ebenfalls zur Pfründe zählte. Dieser Hof gehörte jenem Heinrich von Merdingen, der bereits 1298 Domherr des St. Stephans-Doms in Konstanz war. Eine weitere Erschwerung tritt dadurch auf, daß ein weiterer Heinrich von Merdingen, Rektor der Kirche zu Merdingen, etwa zur gleichen Zeit eine Pfründe auf den Fronleichnamsaltar im Münster stiftet. Somit muß offen bleiben, ob beide identisch sind.

Geht man von der Bezeichnung "bei des Fuhses Hus" aus, so ergibt sich aus anderen Quellen eine ungefähre Beschreibung der Lage der Badestube: Am deutlichsten ist sie in der Stiftungsurkunde eines Regelhauses für 12 arme Schwestern in der heutigen Schiffstraße durch Margarete Turner, der Witwe Rudolf Turners, vom 11. September 1316, das als "der Turnerin Regelhaus" bekannt ist. Zum Unterhalt des Regelhauses tragen zu dieser Zeit, neben anderen Einkünften, bei: "fünf un drissig schillinge phennige gewonlicher brisker jergeliches geltes, das ich koufte umbe die erberen geistlichen lüte die Wilhelmer an den Steinen ze Friburg, un git man das selbe gelt jergelich von den zwein hüsern, die des Fuhses waren, die da ligent aneinander in der oberen Owe ob Klözelines tor." Der genannte "Fuhs", was "Fuchs" bedeutet, könnte "Berschi, der Fuhs" gewesen sein, der in einer Urkunde vom 11. Dezember 1316 erwähnt wird. Dort heißt es: "Berschi der Fuhs von Haus und Garten (lit neben des appets hof von Sante Marien)." Mit "Sante Marien" ist das Kloster in St. Märgen im Schwarzwald gemeint. Mit einer fast wortgleichen Bestimmung verleiht der Priester Nikolaus von Fürstenberg am 10. März 1324 die zur Ausstattung seiner Priester-Pfründe gehörende "hinder Badestube, die der appet von sante Marien da bute un den hof der dar zu höre (...), die da lit ze Friburg in der Öwe in der vorstat an des von Merdingen seligen hof die zu des Merdingers seligen phründe höret die da ist in Unserer Frowen Münster ze Friburg" an "Hiltebrante dem Zentener, dem Gerwer", für 30 Schillinge jährlichen Zinses. Der "Hof des Merdingers" ist schon vor dieser Zeit ein markanter Punkt, und wird bereits 1309 erwähnt. 1316 gehört eine Mühle "bis des von Merdingen seligen hove uf dem Graben" der Frau des Konrad Ederlin. 1298 bereits hatte Heinrich von Merdingen, Domherr zu St. Stephan in Konstanz, einen Zins an einem Haus in der Au, "an minem hove obenan in der Owe", in Freiburg dem Heiliggeistspital verkauft. Das Spital gab dieses Haus daraufhin an Johannes den Falkener in Pacht. Auf der Rückseite der Urkunde heißt es dann: "Über 1 lib. geltez bi des von Fridingen hof in der Ouwe". Bei dem Namensgeber dieses Hofes könnte es sich um Rudolf von Friedingen handeln, der 1284 Diakon im Kloster St. Märgen war und den Hof vielleicht vom Kloster übernommen hatte.

Daß ein Abt von Sankt Märgen in Freiburg eine Badestube baute, ist zumindest erstaunlich, deutet aber darauf hin, daß sie ursprünglich zu einem Hof des Klosters St. Märgen in der Au gehörte und keine öffentliche Badestube war. Der Hof des Klosters St. Märgen befand sich in der heutigen Grünwälderstraße auf dem Platz der Ufa-Kinos "Harmonie".

Anderen Quellen zufolge, könnte die Badestube jedoch auch in der heutigen Adelhauserstraße oder deren unmittelbarer Nähe zu suchen sein, denn die Hausnummern 18, 20 und 20a "Zum Escherloch" gehörten noch im 14. Jahrhundert zur "Merdingers Pfründ". Die Verleihung der Badestube an den Gerber Hildebrand deutet bereits darauf hin, daß das Bad einer Umnutzung zum Opfer fiel, denn in der Folgezeit wird es nicht mehr erwähnt.